Der digitale Lebensraum betrifft uns alle - Die Zukunft beginnt jetzt!

Pol, was heisst Digitalisierung für Dich?

"Digitalisierung heisst für mich nicht, dass wir uns mit Informatik beschäftigen, sondern mit den damit verbundenen neuen Möglichkeiten und Verhaltensänderungen für uns Menschen und Berufsleute."

"Digitalisierung bedeutet Veränderung! Wir müssen dauernd in Bewegung bleiben. Die treibenden Entwicklungen am Markt gilt es früh zu erkennen und die Produkte und Dienstleistungen daran auszurichten. Wir müssen die relevanten Trends aktiv und professionell verfolgen, um erfolgreich zu bleiben. Die herausfordernden Umwälzungen kommen erst noch, aber wir wissen noch nicht wie und wann!"

Pol Budmiger,Präsident GEOSummit, Start-up Coach & Entrepreneur
Pol Budmiger, Präsident GEOSummit, Start-up Coach & Entrepreneur
Was begeistert Dich an dieser rasanten Veränderung?

"Sie zeigt uns unendlich viele Chancen auf, sofern wir dafür zugänglich sind. Völlig neue Geschäftsmodelle mit viel Potential können entwickelt werden! Meine Aufgabe als Unternehmer, Coach, Moderator oder Organisator von Veranstaltungen ist es, Menschen zusammenzubringen, mit ihnen Altbewährtes zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und dann konsequent umzusetzen."

"Besonders in der Zusammenarbeit mit Startup-Unternehmen muss ich mich tagtäglich auf verrückte Ideen einlassen und auch den Mut haben, noch nie Gemachtes einfach mal auszuprobieren. Ausgetrampelte Pfade bewusst zu verlassen ist anstrengend, aber sehr spannend!"

Wenn Du die Situation heute mit vor zehn Jahren vergleichst, welches sind die markantesten Veränderungen?

"Geschwindigkeit! Wir müssen in kurzer Zeit Ideen entwickeln, Know-how aufbauen und mittels Prototypen ausprobieren. Schnelles Lernen ist für den Erfolg entscheidend!"

"Es ist schwierig, zwischen Hype und wirklichem Trend zu unterscheiden. Das Aufspüren von Chancen und Risiken ist wichtig, aber nicht ganz einfach! Ein cleveres Risikomanagement ist also notwendig. Wer keine Risiken eingeht, verharrt auf der momentanen Situation. Das wird für ein Unternehmen längerfristig «tödlich» sein."

Das tönt nun aber sehr dramatisch. Hast Du konkrete Beispiele?

"Nehmen wir das Thema Drohnen: Noch vor 20 Jahren war die Produktion von Orthofotos eine «Ingenieurskunst». Sie bedurfte millionenteurer Infrastruktur und langer Planung. Heute kann mit ein paar Drohen und Apps sehr rasch und kostengünstig ein vergleichbares Produkt hergestellt werden. Mag sein, dass es nicht in jeder Hinsicht gleich präzis ist. Es ist aber mit Sicherheit aktueller und günstiger. Drohnen schliessen die Lücke zwischen terrestrischen Aufnahmen und Satellitenbildern. Das klassische Luftbild aus dem Flugzeug oder dem Heli ist schon fast eliminiert, obwohl die Rechtslage für Drohnen noch nicht geklärt ist. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass sich «Spielereien» rasch zu etablierten Lösungen entwickeln. Bestehende Infrastrukturen, langjähriges Wissen oder fehlende, rechtliche Grundlagen können dies nicht mehr verhindern."

Du hast mit vielen Unternehmen und Startup’s auch ausserhalb der Geobranche zu tun. Wie beurteilst Du diese Branche im Vergleich zu anderen?

"Die Geobranche ist technologiegetrieben und daher dynamisch. Oder sie war es zumindest, als die ersten geografischen Informationssysteme eingeführt wurden. Aus meiner Sicht ist dieser Schwung in den letzten 10 Jahren etwas verloren gegangen. Das Streben nach Genauigkeit ist einerseits Berufsstolz, andererseits in den Bereichen, wo diese Genauigkeit nicht zwingend notwendig ist, ist dies eine Innovationsbremse."

"In anderen Branchen ist man frecher und probiert einfach mal etwas. Dies ist bei Startup’s aus den Bereichen Telekommunikation, Internet of Things oder E-commerce ganz ausgeprägt der Fall. Wir dürfen uns nicht wundern, dass die Geobranche in gewissen Segmenten rechts überholt wird. Aus meiner Sicht muss sie rasch handeln, wenn sie längerfristig relevant bleiben will."

Warum so pessimistisch?

"Es gibt unzählige Beispiele von disruptiven Innovationen. Denken wir an die Digitalkamera oder die Smartphones: Wer hätte vor 15 Jahre gedacht, dass diese Technologien etablierte Firmen wie Kodak oder Nokia in den Ruin treiben werden? Die nächste grosse Welle rollt mit Blockchains an. Unsere Branche identifiziert sich mit Rechtssicherheit und Genauigkeit und sie ist «staatsnah» ausgerichtet. Aber braucht es in Zukunft noch den Notar oder den Geometer zur Bestätigung der Korrektheit? Das wird mit Blockchain elegant und kostengünstig möglich sein! Vielleicht schon in 10 Jahren…."

Wird das alles so rasch kommen?

"Spreche ich mit Zukunftsforschern und Avantgardisten, so denke ich geradezu konservativ. Solche Experten rechnen mit einer kompletten Umwälzung der Gesellschaft durch neue Technologien wie Robotics, Internet of Things oder Blockchain. Es folgt eine vollständige Umverteilung der Güter und der Wandel unserer Denk- und Businessmodelle. Viele Berufe wird es s nicht mehr brauchen! Wie rasch dies passieren wird, wissen wir nicht. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir uns frühzeitig damit auseinandersetzen müssen. Die Zukunft beginnt jetzt!"

Das sagt man schon lange. Du dramatisierst stark!

"Es wird für jene dramatisch werden, die sich nicht darauf vorbereiten: Neue Plattformen entstehen. Unternehmen, die bisher niemand auf dem Radar hatte – oft Startups – rütteln den Markt kräftig durch. Erfolgreiche Unternehmen verschwinden, neue Berufe entstehen, bestehende werden in der heutigen Form nicht mehr gebraucht. Es findet ein Ablöseprozess statt, bei dem die Taktgeber die digitalen Technologien als Chance begreifen. Sie entwickeln neue Dienstleistungen und Produkte für das «Management unseres Lebensraums»."

Was ist denn aus deiner Sicht zu tun?

"Wir Ingenieure haben die Technologie gut im Griff. Doch die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Handeln und unsere Gesellschaft gilt es zu verstehen. Die Branche muss sich öffnen für diese Fragen. Wir müssen uns interdisziplinär mit dem Erfinden von neuen Angeboten und mit neuen Geschäfts- und Führungsmodellen beschäftigen. Wir haben einen grossen Nachholbedarf! Mit Ausnahme einiger weniger Pioniere der Geobranche hat die grosse Mehrheit den Wandel zwar wahrgenommen, weiss aber noch nicht, wie sie darauf reagieren soll."

"Wir wollen den grossen Treiber Digitalisierung mit unserer Fachdomäne Raum und den Gesellschaftlichen Auswirkungen – daher Lebensraum – zusammenbringen und gesamtheitlich betrachten. Am Kongress beschäftigen wir uns nicht nur mit Technologie und Fachthemen, sondern mit Innovation und Changemanagement. Wir wollen damit alle betroffenen ansprechen: vom Auszubildenden über den Fachspezialisten bis zum Geschäftsführer oder Amtsleiter. Die Vielfalt des Zugangs ist wichtig. Nur gemeinsam schaffen wir den Change!"

Sprechen wir vom GEOSummit. Was bedeutet das Thema «Der digitale Lebensraum» konkret?

"Als grössten Event der Geobranche haben wir den Anspruch, für uns relevante Themen innerhalb und ausserhalb der Branchen zu besetzen und zu kommunizieren. Alles in unserem Berufsumfeld hat Raumbezug: «Spatial is special», war das Credo der Branche. Wir waren lange Zeit die einzigen, die mit Rauminformationen arbeiten konnten. Das ist vorbei! Mapping ist zur Commodity geworden– jeder kann eine digitale Karte produzieren und nutzen! Vielleicht etwas weniger genau, aber dafür schnell…"

Kannst Du noch konkreter werden?

"Wir befinden uns mitten in der Planung und wir werden das Programm laufend kommunizieren. Alle die die Geobranche mitgestalten wollen, sollen sich  die 3 Tage vom 5. bis am 7. Juni 2018 in ihren Agenden reservieren und sich über www.geosummit.ch für den GEOSummit Newsletter registrieren. So bleiben sie auf dem Laufenden. Eines kann ich bereits jetzt versprechen: der GEOSummit 2018 wird einiges an Überraschungen bieten!"


Interview wurde geführt von
Karen Bennett, Leiterin Kommunikation