swisstopo: Vom Handwerksbetrieb zum modernen IT-Unternehmen

Interview mit Fridolin Wicki, Direktor Swisstopo

Fridolin Wicki ist seit 2014 Direktor von Swisstopo. Er studierte Vermessungsingenieur an der ETH Zürich und erwarb das Patent als Ingenieur-Geometer. Daraufhin promovierte er zum Doktor der technischen Wissenschaften. 2013 schloss er ein Zusatzstudium als Executive Master in Public Administration ab. Von 1992 bis 2000 war Wicki stellvertretender Kantonsgeometer des Kantons Aargau. 2000 wechselte er zu Swisstopo, wo er ab 2006 die Eidgenössische Vermessungsdirektion leitete.

Herr Wicki, was bedeutet «Digitalisierung» für den Direktor der Swisstopo?

In den letzten zehn Jahren hat Swisstopo alle Produktionsprozesse digitalisiert. Vom Bildflug über die Datenbearbeitung, die Datenverwaltung bis zur Datenabgabe haben wir heute vollständig digitale Prozesse. Der letzte analoge Arbeitsschritt ist der Druck der Karten. Wir sind laufend daran, unsere historischen analogen Karten und Luftbilder zu digitalisieren und über die Webseite zur Verfügung zu stellen. Ein grosser Teil ist bereits verfügbar.

Wie wird sich Ihrer Meinung die Unternehmenskultur im Zuge der Digitalisierung verändern?

Swisstopo hat sich von einem Handwerksbetrieb zu einem modernen IT-Unternehmen gewandelt. Die Amtskultur ist geprägt von flexiblen Arbeitsmodellen mit Homeoffice und einem hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Zusätzlich hat sich die Ausrichtung des Amtes grundlegend verändert. Wir erbringen heute mehr Leistungen für die Bundesverwaltung.

Wenn Sie die Situation heute mit vor zehn Jahren vergleichen, welches sind die markantesten Veränderungen, die sich abzeichnen werden?

Der Beruf des Kartografen war ein typisches Kunsthandwerk. Mit der Digitalisierung verändert sich dieses Berufsbild radikal und der Kartograf von heute ist vermehrt ein IT-Spezialist. Dieser Wandel ist für einige unserer Mitarbeitenden nicht einfach. Ich freue mich jedoch immer wieder, wenn ich sehe, mit wie viel Herzblut und Begeisterung unsere Kartografinnen und Kartografen diese Neuerungen aufnehmen und sich laufend weiterbilden.

Welche konkreten Leistungen können Sie dazu aufzählen?

Wir sind Leistungserbringer für die GIS-IT innerhalb des Bundes. Wir koordinieren die Tätigkeiten im geografischen Bereich. Wir sind zuständig für die geologische Landesaufnahme mit Themen wie Geothermie, Georessourcen oder der Lagerung radioaktiver Abfälle und wir beaufsichtigen die Kantone im Bereich der amtlichen Vermessung. Diese Tätigkeiten haben, neben der Digitalisierung der Produktion, einen ebenso grossen Einfluss auf die Amtskultur. Diese Veränderungen haben zu einer gewissen "Akademisierung" des Amtes geführt. 

Wer wird von der Entwicklung der Digitalisierung profitieren, wer wird verlieren?

Momentan setzen wir uns mit den Bedürfnissen des zukünftigen Nutzers auseinander. Die Jungen von heute nutzen und konsumieren Informationen nicht mehr so, wie wir dies gewohnt sind. Somit gilt es, unsere bestehenden Daten und Produkte in eine Form zu bringen. Zu erwähnen sind hier die Bereitstellung gewisser Daten als Linked Data, deren Verwendung in Augmented- oder Virtual-Reality-Anwendungen oder die Steigerung der Aktualität unserer Daten.

Wie wichtig ist das Thema Open Data bei Swisstopo?

Gestützt auf die Open-Government-Data-Strategie des Bundesrates wäre Swisstopo gerne bereit, seine Geobasisdaten – teilweise oder vollständig – als Open Data zu veröffentlichen. Damit wäre ein erheblicher Einnahmenverlust für den Bund verbunden. Grundsätzlich ist es eine politische Frage, ob der Bund diesen Einnahmenverlust durch Steuergelder decken will. Dabei ist zu beachten, dass Swisstopo bereits heute fast 50 Datensätze frei verfügbar zur Verfügung stellt und seit letztem Jahr der Datenaustausch zwischen dem Bund und bisher 18 Kantonen ohne gegenseitige Abgeltung erfolgt.

Was ist aus Ihrer Optik zu tun, damit Swisstopo auch in der Zukunft mit den anstehenden Veränderungen schritthalten kann?

Wir sind mit unserem Kartenmaterial mit der Weltsitze dabei. Mit den neuen Landeskarten sind wir bestrebt, die hohe kartografische Qualität, für welche die Schweiz berühmt ist, im digitalen Zeitalter beizubehalten. Verschiedene Auszeichnungen, die wir mit der neuen Landeskarte gewinnen konnten, zeigen, dass uns dies gelungen ist.

Google ist für Swisstopo kein Konkurrent, sondern ergänzt uns in vielen Bereichen. Google hat Geoinformationen für die breite Masse zugänglich gemacht und dazu beigetragen, dass ein Grossteil der Bevölkerung heute geografische Daten regelmässig nutzt. Von dieser breiten Nutzung profitiert auch Swisstopo.

Sprechen wir vom GEOSummit. Was erwarten Sie vom Thema «Der digitale Lebensraum» am Event konkret?

Die Entwicklung der Digitalisierung schreitet rasch und unaufhaltsam voran. Wir müssen unsere Tätigkeiten laufend hinterfragen und unsere Prozesse und Produkte an neue Bedürfnisse anpassen. Der GEOSummit ist die perfekte Gelegenheit, sich über diese Entwicklungen ins Bild zu setzen und sich unter Fachleuten auszutauschen.

Vielen Dank, Herr Wicki, dass Sie sich fürs Interview Zeit genommen haben. Wir freuen uns, Sie am GEOSummit 2018 begrüssen zu dürfen.