Innovate or die!

Daniel Huber ist Professor für Innovationsmanagement und Leiter des Studienganges Executive MBA in Innovation Management der Berner Fachhochschule. Er hat seine Grundausbildung als Dipl.-Ing. ETH absolviert und verfügt über eine Managementweiterbildung des IMD in Lausanne.

Daniel Huber ist Vorstandsmitglied von swissfuture, der Vereinigung der Zukunftsforscher der Schweiz. 

"Prof. Daniel Huber, Vorstandsmitglied Vereinigung der Zukunftsforscher und Professor für Innovationsmanagement"
Prof. Daniel Huber, Professor für Innovationsmanagement
Daniel Huber, warum sprechen heute alle über Innovation?

«Die Welt ist komplexer geworden. Ich bin in meiner Lebenszeit von einer relativ stabilen in eine sehr volatile Welt geraten. Wer vor 40 Jahren einen Beruf gelernt hat, ging davon aus, dass er diesen bis zur Pensionierung ausübt. Heute weiss man nicht, ob man in 5 Jahren noch den gleichen Job macht oder sich umorientieren muss.»

«Der Grund dafür ist die zunehmende Vernetzung der Welt durch Globalisierung und Digitalisierung. Die Zyklen werden immer schneller, die Kommunikation immer vernetzter. Dies hat zur Folge, dass wir nur sehr kurze Zeitperioden sinnvoll vorausplanen können. Wir wissen heute nicht mehr, wie die Welt in einigen Jahren aussehen wird.» 

Veränderungen gab es schon immer. Die Innovationsdiskussion ist doch nur ein Hype!

«Aufgrund der rasch zunehmenden Komplexität kommen hierarchische Organisationen an ihre Leistungsgrenzen. Neuartige Organisationsformen werden nötig. Die Grundstruktur der ganzen Gesellschaft wird sich verändern: von hierarchischen zu netzwerkartigen Strukturen. Mit zunehmendem Komplexitätsgrad nimmt die Aussagekraft von Zukunftsprognosen ab. Der Planungshorizont wird kürzer, womit – im Kontext von Unternehmen – auch Zielsetzungen anders formuliert werden müssen. Das ist ein fundamentaler Umbruch, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt. Die Diskussion über Innovation ist also nicht einfach ein Hype, sondern wird für Unternehmen und unsere Gesellschaft in der Schweiz überlebenswichtig sein!»

Woran forschen Sie konkret?

«Innovationsanstrengungen gehen sehr oft schief. Während meiner Zeit bei Swisscom habe ich mitgeholfen, eine Innovationsabteilung mit rund 150 Leuten aufzubauen. Nach langen Jahren des Ausprobierens und Weiterentwickelns hat es auf einmal funktioniert. Wir wussten damals nicht warum. Sieben Jahre lang funktionierte der Innovationsprozess gut und dann plötzlich nicht mehr. Schritt für Schritt fanden wir heraus, welche Konstellationen und Vorgehensweisen gut und welche weniger gut funktionieren. Bleibt man hartnäckig genug am Thema, werden Effekte mit der Zeit erklärbar. So funktioniert Forschung.» 

Worauf muss man beim Innovationsmanagement achten?

«Zuerst möchte ich mit einem Irrglauben aufräumen: Eine gute Idee ist noch lange keine Innovation! Eine Neuigkeit ist erst innovativ, wenn sie eine gewisse Relevanz hat und in der Praxis erfolgreich umgesetzt worden ist. Die Kunst ist es, zuerst herauszufinden was es braucht und diese Neuerung dann im Unternehmen bzw. im Markt auch erfolgreich zu realisieren. Konkret heisst dies: sehr viele Widerstände geschickt und hartnäckig zu überwinden, denn alles Neue wird zuerst bekämpft!»

Wenn Sie die unternehmerische Situation heute mit vor zwanzig Jahren vergleichen, welches sind die markantesten Veränderungen?

«Früher war in der Managementlehre «Business excellence» wichtig: Schweizer Werte wie Präzision, keine Fehler, gute Planung, effiziente Prozesse. Also Best Practice für das kontinuierliche Geschäft! Details waren wichtig und die Frage des «Wie» stand im Vordergrund.»

«Heute muss man sich laufend neu erfinden. Man muss kreativ sein, Neues ausprobieren, bewusst Risiken eingehen. Zuerst die groben Linien sehen und erst dann die Details angehen. In der unplanbaren Welt muss man zuerst das «Was» herausfinden. Die zentrale Frage lautet: «Was wird in Zukunft relevant sein?»

Und Sie kennen das was?

«Nein! Das muss jedes Unternehmen spezifisch für seine Kundensegmente herausfinden. Genau das ist die Herausforderung! Es gibt aber geeignete Methoden, die diesen Suchprozess unterstützen. Wichtig ist dabei, dass man eine offene Kultur schafft und den Mut hat, auch unangenehme Fragen zu stellen.»

Das tönt etwas mühsam. Gibt es einfachere Wege?

«Innovation ist selten einfach! Es gibt auch ein etwas visionäreres Vorgehen:  Bestehendes ignorieren und sich die ideale, möglichst einfache Welt skizzieren, wie wenn ich einen Zauberstab hätte. Sich zum Beispiel eine Bank ohne Bankschalter vorstellen. Oder auf die Geo-Branche bezogen zum Beispiel: ein Liegenschaftsverkauf ohne langsames Grundbuchamt oder eine Vermessung ohne komplizierte Messgeräte und Geometer.»

Das tönt nach Spielerei.

«Kreativität und Spieltrieb helfen tatsächlich. Viele Technologien sind bereits vorhanden oder schon weit entwickelt.  Die Kunst ist es, diese geschickt zu nutzen oder neu zu kombinieren. Oder einfach komplett anders als angedacht einsetzen. Man sollte einfach mal etwas «rumspielen». So entstehen plötzlich neue Erkenntnisse oder Kombinationen. Interdisziplinarität ist gefragt. Scheuklappen müssen abgelegt werden!»

Und wo spielt nun die Digitalisierung hinein?

«Die Digitalisierung ist gleichzeitig Treiber und «Ermöglicher». Es ist wie ein Schlüssel: Er ermöglicht den Zugang in einem Raum, dessen Inhalt wir noch gar nicht kennen. Digitalisierung gibt es zwar schon lange: zuerst Grossrechner, dann PC und Laptops. Neu sind jedoch die intelligenten Systeme, welche hohe Komplexitätsgrade automatisieren können. Das birgt enorme Chancen, aber auch einige Risiken!»

Was raten Sie nun den Entscheidungsträgern in der Geo-Branche?

«Sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen und sich für Neuerungen – nicht nur technische – öffnen! Eine innovationsfreundliche Kultur schaffen und auch Interdisziplinarität fördern!  Sich in Innovations- und Change Management weiterbilden, damit man zumindest im Prozess einige Fehler weniger macht und nicht so viel Zeit verliert wie ich damals bei Swisscom.»

Und noch ein Schlussvotum

«Handeln und nicht warten! Die sich bietenden Chancen packen, denn es gilt « Innovate or die»! Oder will die Geobranche sich überflüssig machen und wie Kodak enden?»

 

Vielen Dank Herr Huber, für das spannende Gespräch!

Interview wurde geführt von Pol Budmiger,
Leiter GEOSummit